Alfried Krupp

Förderpreis „Kataloge für junge Künstler*innen“
Einsendeschluss: 15. September 2022

Über das Projekt

Die Stiftung hat den Historiker Prof. Dr. Eckart Conze mit der Leitung des Projekts beauftragt. Prof. Conze erhält uneingeschränkten Zugang zu den Quellen im Historischen Archiv Krupp.

Das Projekt umfasst zunächst die Sichtung und Analyse verfügbarer Quellen zu Alfried Krupp und seiner Haltung zum Nationalsozialismus seit den 1920er Jahren bis über seinen Tod 1967 hinaus. Damit erweitert das Projekt bewusst den Zeitraum des „Dritten Reiches“ 1933-1945, um auch die Haltung Alfried Krupps zum Nationalsozialismus in der Weimarer Zeit und seinen Umgang in der Bundesrepublik einzubeziehen. Das Handeln Alfried Krupps zwischen 1933 und 1945 ist im Zusammenhang des Nürnberger Krupp-Prozesses breit dokumentiert. Aber auch hier können sich neue Erkenntnisse ergeben.

Der Fokus der Recherche liegt auf bisher unbekannten oder wenig beachteten Quellen im Historischen Archiv Krupp sowie in anderen, auch internationalen Archiven. Die Stiftung wird nach Ende des Rechercheprojekts die Erkenntnisse gemeinsam mit externen Experten diskutieren und entscheiden, ob im zweiten Schritt eine Ausweitung hin zu einer umfassenden Biografie erfolgen soll. Die Erkenntnisse werden voraussichtlich Anfang 2023 der Öffentlichkeit vorgestellt.

  • test
  • test

Förderpreis „Kataloge für junge Künstler*innen“
Einsendeschluss: 15. September 2022

Ziele des Projekts

Die Stiftung möchte mehr über ihren Stifter und seine Haltung zum Nationalsozialismus erfahren. Wir sehen es als unsere Verantwortung und Aufgabe an, uns erneut und immer wieder mit der Biografie unseres Stifters zu befassen. Denn: Forschungsperspektiven erweitern sich, und jede Zeit hat eigene, neue Fragen an die Vergangenheit.

In dem wissenschaftlich begleiteten Projekt sehen wir die Chance, ein präziseres Bild über die Person unseres Stifters zu gewinnen. Ebenfalls möchten wir damit einen Beitrag zum wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskurs leisten.

Eckart Conze lehrt seit 2003 als Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Philipps-Universität Marburg und leitet das Marburger Internationale Forschungs- und Dokumentationszentrum Kriegsverbrecherprozesse. 2005 wurde Eckart Conze vom damaligen Bundesaußenminister Joschka Fischer in die Unabhängige Historikerkommission des Auswärtigen Amtes berufen, die die Geschichte des Amtes im Nationalsozialismus und den Umgang damit nach 1945 untersuchte.

Alfried Krupp von Bohlen und Halbach

Alfried Krupp von Bohlen und Halbach wird am 13. August 1907 als ältestes von acht Kindern von Bertha und Gustav Krupp von Bohlen und Halbach geboren. Er macht in Essen sein Abitur und beginnt dann mit dem Studium der Hüttenkunde, das er 1934 als Diplomingenieur abschließt. Im Oktober 1936 tritt er in die Firma Krupp ein und wird zwei Jahre später in das Direktorium berufen. 1943 übernimmt er die Unternehmensleitung und wird zum Alleininhaber der Firma.

Familie Krupp von Bohlen und Halbach auf der Terrasse der Villa Hügel, 1930
Besuch bei Lehrlingen in den Maschinenfabriken, 1961

Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges, am 11. April 1945, wird Alfried Krupp von Bohlen und Halbach durch amerikanische Truppen verhaftet, 1947 vor einem amerikanischen Militärgerichtshof in Nürnberg angeklagt und am 31.7.1948 wegen „Plünderung“ von Deutschland besetzter Gebiete und Verbrechen im Zusammenhang mit Zwangsarbeit zu zwölf Jahren Haft und zur Einziehung seines Vermögens verurteilt. In den Anklagepunkten „Vorbereitung eines Angriffskrieges“ und „Verschwörung gegen den Frieden“ spricht das Gericht den Angeklagten frei. Im Zuge einer allgemeinen Überprüfung von Nürnberger Urteilen begnadigt John Jay McCloy, der US-Hochkommissar für Deutschland, den Verurteilten 1951 und hebt die Beschlagnahme des Vermögens auf.

1953 tritt Alfried Krupp von Bohlen und Halbach wieder an die Spitze seines Unternehmens. Noch im November desselben Jahres beruft er Berthold Beitz zu seinem persönlichen Generalbevollmächtigten. Es gilt, den durch Kriegsschäden, Demontagen und die von den Alliierten geplante Neuordnung der Montanindustrie in seiner Substanz gefährdeten Konzern wieder aufzubauen. Durch neue Produktionsschwerpunkte und die erfolgreiche Rückkehr auf die internationalen Märkte gelingt dies innerhalb weniger Jahre. Ende der 1950er-Jahre gehört Krupp zu den umsatzstärksten Firmen in der Bundesrepublik Deutschland.

Alfried Krupp von Bohlen und Halbach mit Kamera auf der Germania, 1966

Privat ist Alfried Krupp von Bohlen und Halbach passionierter Segler und Fotograf. Bei den olympischen Spielen 1936 feiert er mit seiner Segelyacht „Germania III“ als Bronzemedaillengewinner seinen größten sportlichen Erfolg. Er setzt damit die Segeltradition des Hauses Krupp fort. Als Fotograf bereist er die Welt und hinterlässt eine Fotosammlung, die heute im Historischen Archiv Krupp aufbewahrt wird.